Ich war an einem wunderschönen Samstagmittag auf meiner Hausrunde (XC-Rundkurs auf der Halde Hoheward) unterwegs. Die Sonne wärmte den vorletzten Tag im September. Dies war die zweite Ausfahrt mit meinem Enduro. Ich war gut unterwegs und hatte wie immer ordentlich Spaß.

Ich war gerade ganz oben angekommen. Der Wind pfiff angenehm und kühlte meinen, durch den Uphill aufgeheizten Körper, etwas ab. Langsam rollte ich auf den Eingang für den Trail nach unten zu. Dabei passierte ich drei Jungs, so um die 14, 15 Jahre alt, unterwegs mit recht „einfachen“ Hardtails. Ich musste etwas über die Fullface-Helme und die Protektoren an Knie und Ellebogen schmunzeln. Aber nun gut – Safety first. Vielleicht sollte ich meine Protektoren auch mal wieder aus dem Schrank kramen.

Wie dem auch sei… Ich lenkte also auf den Trail ein. Hier bin ich immer eher gemütlicher unterwegs und genieße den „Flow“. Ein kurzer Blick über die Schulter. Die drei Jungs klebten mir am Hinterrad. Echt jetzt? Ist der alte Mann zu langsam unterwegs? Der nächste Abschnitt vom Top runter geht immer voll. Also Bremse auf und los. Hach – was lässt es sich doch herrlich mit dem Enduro über den Trail fliegen. Am Ende wieder ein Blick. Joah… der Respektabstand war etwas größer (oder die drei Bengels haben einfach oben kurz gewartet, bis ich weit genug weg war. Ich werde es nie erfahren).

Nun gibt’s an dieser Stelle ein kleines Verbindungsstück, welches wenige hundert Meter einfach nur platt geradeaus geht. Und schon schnupfte mich das Trio auf. Noch eher ich in das nächste Bergabstück einlenkte, waren die Jungs schon auf und davon…

Auf der nächsten Runde stellte ich mir – während ich so fluffig bergauf strampelte – die Frage: Bin ich zu alt? Ich bin mit einem Enduro unterwegs und die nächste Generation lässt mich auf einfachen Hardtails einfach stehen!

Erst einmal hörte ich tief in mich hinein, was mein ehrgeiziges Sportlerherz sagt. „Hey, was soll’s. Die sind jung und wild. Und fahren wahrscheinlich schon länger als Du. Also hör‘ auf zu Jammern. Und wir sind hier schließlich auf’fe Halde und nicht in Duisburg“, sprach die Stimme in mir.

Mein Kopf – und viel mehr mein Bauch – analysierten meine Fragestellung dann noch etwas weiter. Was heißt denn überhaupt „alt“? Bin ich körperlich nicht in der Lage, mit ein paar Teenager mitzuhalten? Keine Ahnung. Ich fahre meistens meine drei Runden über den Rundkurs, ohne danach gleich auf die Intensivstation zu müssen. Im Verhältnis dazu, dass bereits vorne die – 4 – steht, sehe ich das also mal ganz entspannt. Heißt denn nun „alt“, dass ich zu langsam bin? Gegenfrage: Warum muss ich schnell sein? Mein Alltag ist ab und an schon stressig genug. Auf dem Bike bin ich dann lieber in meiner Komfortzone unterwegs. Hauptsache ich habe Spaß und kann den Kopf entschleunigen.

Aber bin ich denn nun „alt“? Nein – ich denke, eher würde „erwachsen“ passen. Als wenn das nicht schon schlimm genug wäre. Wenn ich unterwegs bin, dann habe ich auch immer im Hinterkopf, dass etwas passieren kann. Mountainbiken ist nun mal kein Hallen-Halma. Ich sehe das Risiko und höre auf meine bessere Hälfte wenn sie sagt: „fahr vorsichtig“. Ein Sturz kann sehr unangenehme Folgen mit sich bringen: Krankenhaus, längerer Ausfall, Reha, Krankengeld oder – im schlimmsten Fall – bleibende Schäden. Junge Menschen sehen das Risiko nicht, bzw. habe die Sorgen (noch) nicht. Manchmal beneidenswert.

Und ich habe ja auch noch eine Geheimwaffe: Der kleine Anverwandte ist ja auch noch da. Während mein Biker-Herz ihn schon innerlich mit voller Stolz dabei zusieht, wie er sich mutig in die Tiefe stürzt, schreit mein Vaterherz nur hinterher: „fahr bloß vorsichtig!“

Glück auf!