Eine Wiederholung des Kursus Fahrtechnik-Training für Fortgeschrittene bei Simply Out Mountainbike stand bei mir am Sonntag (6.5.2018) auf dem Programm. Coach Karsten vermittelte auf der Halde Hoheward den sieben Teilnehmern die hohe – und manchmal tiefergehende – Kunst der Fahrtechnik. Hier meine Eindrücke – und warum aus meiner Sicht so ein Training durchaus mal wiederholt werden konnte.

Bei der Vorbereitung zu diesem Artikel habe ich mir nochmals das Review von meinen letzten Training durchgelesen. Dabei gleich ich ein Deja Vu: Schon beim ersten Mal tat mir nach dem Training noch etwas der Arsch weh. Wieder zwickte mich in Armen, Schultern und Oberschenkel ein leichter Muskelkater. Und das, obwohl ich eigentlich gerade gut im Training bin und die letzten Wochen viel auf dem Rad saß. Der Muskelkater ist also der Beweis, dass das Training anstrengend war.

Wir – das waren insgesamt fünf Kerle und zwei Damen – saßen recht viel auf dem Rad und er-fuhren unser Training mit viel Praxis. Interessanterweise waren wieder alle Arten von Mountainbikes vertreten. Vom Carbon-Hardtail bis zum eher downhill-orientierten All Mountain war alles dabei. Doch bevor ich zu dem Rückblick des Tages komme, hier zuerst die Gründe für meine Wiederholung:

Meiner ersten beiden Fahrtechnik-Kurse absolvierte ich noch mit meinem Rose Granite Chief, einem All Mountain. Relativ kurz nach dem Fortgeschrittenen-Training wechselte im September 2016 auf ein Enduro. Das Enduro war natürlich noch mehr auf’s bergab ballern ausgelegt. Flacher Lenkwinkel, langer Radstand, breite Reifen, fette Bremse verzeihen auch mal (kleine) Fahrfehler und bieten im Downhill gefühlt mehr Sicherheit. Bei mir führte es dazu, dass ich meine Fahrtechnik langsam versaute. Warum denn selber Arbeiten, wenn’s doch das Fahrwerk macht? Aus verschiedenen Gründen trennte ich mich dann nach einer Saison wieder von dem Enduro und wechselte auf ein Alutech ICB 2.0. Das ICB liegt irgendwo zwischen All Mountain und Trailbike, und ist eine pure Spaßmaschine. Aber auch nun mal kein Enduro mehr. Hier muss ich nun mehr aktiv fahren und die ersten Runden auf Hoheward zeigten mir, dass ich erneut mehr an der Basis arbeiten sollte.

Und so stand ich da nun – wieder – mit den anderen Mitstreitern vor unserem Coach. Wie war der Tag denn nun? Also: Beginn wie immer mit einem kurzen Check der Bikes. Dann ging’s rüber auf die Freifläche am Fuß der Halde. Hier wiederholten wir die Grundlagen: Was ist eine Grundposition und was ist die Aktivposition. OK, das saß bei mir natürlich ordentlich. Nächste Übung: Überfahren von kleinen Hürden. Boah – das habe ich beim letzten Training schon nicht so wirklich hinbekommen. Aber irgendwie klappte auch dieses direkt besser. Ob’s am Bike lag oder an dem Hügelchen, an dem wir übten. Egal, ich werde es nie erfahren. Ziel erreicht – Haken dran.

Fahrtechnik-Coach Karsten Geisler – Foto: Björn Koch

Wir trampelten bei mittlerweile kuscheligen Temperaturen den Trail entlang, bis wir an dem kleinen Plateau zwischen den S-Kurven und dem kurzen Uphill kamen. Nächstes Thema: Bremsen. Wie immer mein Lieblingsthema. Ich hab’s damals (schon beim Einsteiger-Kursus) gesagt und ich sag’s heute immer noch: Beim Bremsen bin ich irgendwie talentfrei. Gerne blockiert das Hinterrad oder ich überbremse das Bike. Coach Karsten half mit ein paar nützlichen Tipps, denn manchmal ist weniger mehr. Mal sehen, wie ich das auf dem Trail verinnerlichen kann.

Thema dernächsten Übung war das Anheben von Vorder- und Hinterrad. Diese Technik habe ich ja bei dem ersten Fortgeschrittenen-Training erfolgreich gelernt und verinnerlicht. Läuft – Haken dran. Weitermachen. Ach ne, erst einmal Pause.

Nach der Pause fuhren wir runter zum Mondsee. Dort befindet sich, etwas versteckt, eine kleine steile Abfahrt. Anekdote am Rand: An dieser Abfahrt nahm ich vor Jahren meinen ganzen Mut zusammen und fuhr zum ersten Mal so ein steiles Stück herunter. Seit dem bin ich diesen Abhang bestimmt schon hundert Mal gefahren. Sollte also kein Problem sein. Die Theorie und auch die Praxis waren mir eigentlich geläufig. Eigentlich. Wie immer rollte ich entspannt herunter. Sah gut aus, fühlte sich gut an – müsste also perfekt gewesen sein. Sah Karsten anders. „Jetzt das ganze nochmal und viel langsamer und noch kontrollierter,“ so Karstens Ansage. Langsam? Echt jetzt? Gesagt, getan. Und so langsam bin ich da noch nie ‚runtergerollt. Ob’s gut aussah? Keine Ahnung. Fühlte sich aber erst komisch an. Korrekturen im Detail gab’s von Karsten und dann kam auch das passende Gefühl für die Fahrtechnik dazu.

Was nun folgte, war neu musste erst bekämpft werden. Wir fahren eine Stufe runter. Klingt erst einmal einfach. Aber nicht, wenn’s eine recht hohe Stufe war. Ich hab sie nicht gemessen, aber in meinem Kopf schrie ein lautes: „WARUM? Warum sollte ich das tun?“ Die Technik war eigentlich einfach. Nur der Kopf wollte erst nicht. Anfahrt, ach ne, noch mal drehen und mehr Anlauf nehmen. Position einnehmen und – Zack! Zack! – ich war unten. Laut unserem Coach sogar einigermaßen ordentlich. Anscheinend hat mein Körper schon gewisse Bewegungsabläufe verinnerlicht. Und nach dem dritten Mal hielt auch der Kopf die Klappe.

Über den Trail ging’s an eine andere Stelle der Halde. Hier stand Kurventechnik auf dem Program. Erst wieder die Grundlagen der Blick- und Fahrtrichtung. Hatte ich drauf. Aber mein Problem: Bei Kurven war ich bei eher lockerem Untergrund immer noch etwas übervorsichtig unterwegs. Das Terrain bot dann alles, was dafür glücklich machte: eine abfallende Kurve auf genau diesem Untergrund. Hier merkte ich wieder, wo meine Schwächen lagen. Die richtige Position auf dem Rad und die Kurvenfahrt waren etwas… rudimentär. Erneut halfen die individuellen Tipps von Karsten und die Kurven liefen dann auch. Auch wenn’s mal rutschiger wurde oder ein dicker Stein mein Hinterrad aus dem Konzept brachte – am Ende der Übung hatte ich den Dreh raus.

Wir fuhren zum Finale hoch auf die Halde und genossen die Aussicht vom Höhepunkt der Hoheward aus. Dann ging’s abwärts über die Autobahn (Downhillpassage auf dem XC-Rundkurs) zurück zur Zeche Ewald. Dort hoppelten wir nochmals über die Treppe am Fuß des Förderturms, bevor alle Teilnehmer den Heimweg antraten.

Fazit:
Hat sich die Wiederholung gelohnt? Ja! Ich wußte ja bereits vorher, was mich erwartet und wo meine Stärken und Schwächen lagen. In dem Training konnte ich die Stärken noch verfeinern und (hoffentlich erfolgreich) an den Schwächen arbeiten. Auch wenn man als Biker denkt, man macht alles richtig. Es hilft doch, dass jemand nochmal auf die Technik schaut.

Zudem habe ich Unterschiede zwischen dem Trainings-Tag vor zwei Jahren und jetzt feststellen können. Karsten spulte nicht einfach sein Programm ab. Die Stufe war zum Beispiel neu und der Abhang beim ersten Mal nicht ganz so hoch und so steil.

Mountainbiken hat viel mit der Komfortzone zu tun. Der Sport soll ja in erster Linie Spaß machen. Mit der Zeit schleichen sich dann aber viele kleine Fehler ein, die man so gar nicht merkt. Ich habe für mich vieles als Wiederholung zurück ins Gedächtnis bekommen, aber auch einiges neu gelernt. Ich kann nicht nur die Teilnahme an einem Training empfehlen, sondern auch eine regelmäßige Wiederholung.