Neues am alten Bike

Wie so oft im Leben fing auch diese Umbau-Story klein an. Mit einem Reifenwechsel. Im Sommer letzten Jahres brauchte mein Radon neue Reifen. Dummerweise trat das Problem zu einem Zeitpunkt auf, an denen Ersatz- und Zubehörteile aufgrund der Corona-Situation Mangelware waren. Rund sechs Wochen verstrichen, bis ich endlich meine neuen Reifen hatte. An der Vorderachse kam ein Nobby Nicht Addis Speedgrip und an der Hinterachse – wie zuvor auch schon – ein Rocket Ron Speed ans Bike.

Da ich schon vom ersten Umbau wusste ich um die Problematik bei dem Reifenwechsel. Die Ursache lag in den Felgen, die nicht so wollen wie sie sollen. Vorsorglich brachte ich das Bike daher zu Freund und Schraubergott. Seine Freude hielt sich in Grenze. „Im Winter kommen neue Felgen drauf“, so mein Versprechen.

Gesagt, getan. Der Herbst kam, mein Plan reifte. Neben den Felgen sollte zusätzlich ein 12fach-Antrieb ans Rad. Geplant war die neue Shimano XT. Was aber dann wieder einen neuen Freilauf nötig machte. Nun folgten wieder glückselige Stunden mit Recherche nach passenden Teilen und Preisvergleichen in Onlineshops. Wobei ich nicht die Preise verglich, sondern eher die Verfügbarkeit. Am Ende hatte ich einen Plan…

…den Freund und Schraubergott mit seiner typisch realistischen Art wieder gleich zunichte machte. „Kauf Dir gleich einen Satz neue Laufräder. Ist einfacher.“ Nun gut, vielen Dank dafür. Das ganze hatte allerdings einen Haken: Die Kombination aus 27,5 Zoll Rädern, Non-Boost und Microspline-Freilauf für die 12fach-XT war jetzt eher selten. Eine Möglichkeit wäre jetzt der Wechsel des Freilaufs gewesen, doch dafür war ich dann einfach zu geizig.

Wieder folgten stundenlanges glückseliges Suchen in den verschiedenen Webshops. Die Ergebnisse waren zum Teil ein Träumchen, Preise und Lieferzeiten dann eher wieder ernüchternd. Am Ende entschied ich mich für die aktuelle Ausführung von DT Swiss X1700 mit 25mm-Felgenbreite sowie XD-Freilauf. Die Wahl fiel mir leicht, da ich einen Anbieter fand, der die neue SRAM GX Eagle mit 10-52er Kassette für den gleichen Kurs anbot, wie die alte Version. Die Kombination aus Laufrädern und neuem Antrieb stand fest.

Die neue GX Eagle

Freund und Schraubergott holte dann zum ultimativen Schlag gegen meinen inneren Monk aus. Er erwähnte so ganz beiläufig, dass er noch eine neue Rock Shox RS1 mit 120mm Federweg für 27,5 liegen hat, die jetzt weg soll. WARUM? Warum tat er mir das an. Der Wechsel der Gabel war eigentlich nicht vorgesehen. Denn eigentlich war die SiD einen der Gründe, warum ich mich für das Modell entschied. Eigentlich stand mein Umbauplan schon und eigentlich war mein Budget schon verplant. Und eigentlich fand ich die RS1 schon immer geil. Eigentlich sollte ich mir das mal durch den Kopf gehen lassen. Eigentlich ist eigentlich schon ein komisches Wort.

Und wieder einmal folgten stundenlange Recherche. Meine bessere Hälfte hatte schon längst die Lunte gerochen und bohrte mich mit Fragen, was meine ständige geistige Abwesenheit denn zu bedeuten hätte. Schon war ich wieder in der Falle, in der ich meine Investitionen zu begründen versuchte. Von „Endlich fertig sein“ über „das bekomme ich bei einem Verkauf doppelt zurück“ bis „damit bin ich auf der Hausrunde noch schneller“ redete ich mich mal wieder um Kopf und Kragen. Als Reaktion erntete ich höchsten mal eine hochgezogene Augenbraune.

Aber zurück zu meiner Qual mit der RS1. Für die Gabel sprachen, dass sie steifer, wartungsärmer und etwas mehr geeignet für Trails sein soll (ausgehend von der 120mm-Version). Ein Kritikpunkt war allerdings, dass man eine spezielle Nabe benötigt. Und diese Nabe beziehungsweise ein passendes Laufrad in 27,5 Zoll war jetzt erst einmal nicht so schnell zu finden. Sollte dies das Ende meiner Qual bedeuten?

Ping! Ich saß gerade mit der Familie am Frühstückstisch, als mich eine Whats App von Freund und Schraubergott erreichte. Deren Inhalt: Ein Link zu einem Vorderrad mit Nabe für die RS1, passend zu meinem bereits ausgewählten Hinterrad. Die diversen kleine Hinweise: SALE, RESTPOSTEN, EINZELSTÜCK sorgten für die gleichzeitige Ausschüttung von Glücks- und Stresshormonen. Ein Wink des Schicksals? Muss wohl. Also warum noch wehren? Der Rest war schon Routine: Warenkorb füllen, Paypal nutzen und nun warten, warten, warten…

Aufgeräumt: Die Remote der RS1 ist kompatibel mit SRAM Matchmaker

Freund und Schraubergott baute mir noch gleich am selben Tag nach Lieferung die Teile um. Und auch Petrus war gnädig und schenkte einen lauen und sonnigen Herbsttag für die erste Ausfahrt auf meiner Hausrunde. Der Umbau und Aufwand haben sich gelohnt. Das Bike liegt viel „satter“ auf dem Trail und die Gabel arbeitet deutlich sensibler als die SiD. In Verbindung mit den breiteren Felgen (von 22,5mm auf 25mm) habe ich gerade in Kurven deutlich mehr Grip. Insgesamt harmoniert die RS1 zudem besser mit dem Hinterbau.

Zwei Nachteile musste ich aber tatsächlich schon feststellen. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Die Montage des Vorderrades fluppt nicht mehr so geschmeidig wie früher, da sich die Tauchrohre verdrehen und unterschiedlich einsacken können. Da muss man das Bike halt mal kurz auf den Kopf stellen. Viel unangenehmer ist jedoch die Tatsache, dass ich keinen Mud Guard mehr verbauen kann. So fliegt mir der ganze Dreck und Wasser schön bis ins Gesicht. Aber irgendwas ist ja immer.

Der Umbau sorgte für ein etwas höheres Gesamtgewicht. Die Waage bliebt jetzt bei 12,7 Kilo stehen, was aber anhand der Ausstattung immer noch ein sehr guter Wert ist. Vergleichbare Modelle, zum Beispiel das Radon Skeen Trail oder das Rose Ground Control, liegen da deutlich drüber.

Vom ursprünglichen Radon Skeen 120 blieben nur noch Dämpfer und Sattelstütze übrig. Letztere ist aber noch der letzte Punkt auf meiner Liste. Die Reverb tut zwar was sie soll, aber ich bin eher ein Fan der KS LEV.

Nach zwei Umbauphasen ist mein Trailbike – oder ist es jetzt ein Down Country, ich weiß es selber nicht – nun fertig. Der Plan war ein Bike zu bauen, welches sich für die schnelle Hausrunde eignet. Nachdem ich zuerst die Kurbel (Sram X0 mit Umbau der XT-Schaltung auf 1x 11fach), Bremse (Shimano XTR Trail), Lenker (Ritchey Trail), Vorbau (45mm Ritchey WCS Trail), Sattel (Ergon SM Men) tauschte, kamen halt jetzt die Laufräder (DT Swiss X1700 25mm), die Schaltung (SRAM GX Eagle 2021 Luna) und die Gabel (Rock Shox RS1) dazu.

Damit ist auch mein zweites Bike soweit „fertig“. Jetzt fall ich erst einmal in ein tiefes Loch. Aber da ist ja noch mein Wunsch nach einem Trail-Hardtail offen. Auf das meine bessere Hälfte wieder ihre Augenbrauen hochziehen kann.