Die 24h von Duisburg gehören zu meinen Highlights des Jahres. Zum vierten Mal nahm ich mit einem 8er-Team an dem Rennen rund um die Uhr teil. Hier mein Rennbericht zur 2018er-Ausgabe.

Mein Bike vor dem Rennen…

Eigentlich lässt sich das Rennen in zwei Worte zusammenfassen: Hitze und Staub! Die Temperaturen des Jahrhundert-Sommers kletterten beim Start um 12 Uhr auf über 30 Grad. Und dank der anhaltenden Trockenheit der letzten Wochen war die Strecke – wortwörtlich – pulvertrocken. Aber ich sah’s positiv: Kein Regen und keine Erkältung wie im Vorjahr. Es kann also nur besser werden.

Natürlich habe ich mich auf das Rennen perfekt vorbereitet – nämlich gar nicht. Im Gegensatz zu den Vorjahren verzichtete ich auf spezielle Trainingstouren und -pläne, sondern fuhr einfach nach Lust und Laune. Dies tat ich meistens auf den Trails der Halde Hoheward, wobei ich zahlreiche Höhenmeter sammelte und meine Grundkondition auf ein vernünftiges Level brachte.

Ein DT Swiss X313 kam kurz vor dem Rennen als Ersatz.

Da neben dem Fahrer auch das Bike gut vorbereitet an den Start gehen sollte, brachte ich mein Rose Thrill Hill eine Woche vor dem Rennen zu Fahrrad Korte zur Inspektion. Erste Diagnose: Der Dämpfer ist defekt und müsste zum Service zu Fox eingeschickt werden. Dauert mindestens zwei Wochen. Da ich das Rad erst im März bei Rose gekauft hatte, setzte sich mich direkt telefonisch mit Bocholt in Verbindung. Eines muss ich vorab sagen: Der Kundenservice ist wirklich top und der Mitarbeiter am anderen Ende der Leitung verstand sofort mein (zeitliches) Problem. Da das Thrill Hill einen Dämpfer mit einem Tune in M/L fährt, sollte ich auf jeden Fall auch einen Dämpfer mit passendem Tune fahren. Sonst könnte das ganze Fahrwerk nicht mehr funktionieren. Glücklicherweise hatte Rose noch ein paar passende DT Swiss X313 O.D.L. aus dem auslaufenden Serien-Bike auf Lager. Der Ersatz-Dämpfer kam pünktlich am Dienstag vor dem Rennen bei mir an, und ich brachte diesen direkt zu Korte. Zwei Tage später konnte ich mein frisch überholtes Bike mit neuem Dämpfer und Reifen (Schwalbe Rocket Ron Speed und Speedgrip mit Tubeless) abholen. Leider fehlte mir die Zeit für eine Testfahrt.

Samstag, 4. August 2018. Endlich geht’s los! Natürlich warf mich der kleine Anverwandte sehr früh aus dem Bett. Ausschlafen? Satz mit X. Egal. Noch gemütlich mit der Familie frühstücken, Auto laden und ab nach Duisburg – begleitet von motivierenden Songs von Guns ‚N‘ Roses und AC/ DC. Meine Teamkameraden von Bike or Die hatten unser Lager bereits am Vortag aufgebaut. Vielen Dank an dieser Stelle für die Menschen, ohne die unser Start niemals möglich gewesen wäre.

Da ich als dritter aus dem Team startete, ging’s gegen 13:30 Uhr zum ersten Mal auf die Strecke. Boah war das brutal! Die Sonne knallte von oben herab und machte die Uphills-Passagen außerhalb des Schattens zu einer Sauna – es fehlte nur noch der Aufguss. Der feine Staub erschwerte das Atmen. Nächstes Problem: Die Strecke geizte in den ersten Runden mit Grip und mir rutschte gleich ein paar Mal das Vorderrad weg. Zudem zickte mein Fahrwerk rum. Die grobe Einstellung des neuen Dämpfers war wohl zu grob und so hoppelte ich stellenweise über die Strecke. Die vielen Schlaglöchern und Bodenwellen in den Downhill-Bereichen schüttelten mich zudem auf dem Bike ordentlich durch. So verpasste ich die auch so manchen Bremspunkte und eierte durch die folgende Kurve. Eine unfreiwillige Verschnaufpause hatte ich in meiner zweiten Runde, als ich in einem Stau auf der Treppe geriet.  Nach zwei Runde war mein erster Stint auch schon wieder vorbei. Wirklich böse war ich nicht darum.

Ich stattete in der Pause erst einmal den Jungs des technischen Supports von Rose einen Besuch ab, damit die sich mein Fahrwerk ansahen. Der Techniker stellte mir innerhalb von zwei Minuten mein Fahrwerke perfekt ein. Ich erwähnte ja bereist die guten Kundenservice von Rose. Aber was die Jungs in Duisburg dort alles zauberten, um die Bikes der Fahrer wieder fit zu machen, war schon eine herausragende Leistung (und NEIN, ich werde nicht von Rose gesponsert). Die Liste der Defekte allein in unserem Team: 2x Austausch von Kassetten, eine gerissene Kette, 2x Schaltung komplette einstellen und (m)ein Fahrwerk abstimmen. Wo gehobelt wird…

Mit einem nun funktionierendem Fahrwerk und angepassten Luftdruck startete ich gegen 18:20 Uhr in meinen zweiten Turn. Die Temperaturen waren zwar immer noch hoch, aber dank von aufkommendem Wind etwas erträglicher. Motiviert durch die Anfeuerung der Familie fuhr ich mit 20:06 meine schnellste Rennrunde.

Mein nächster Einsatz erfolgte dann zur Halbzeit des Rennens gegen 23:45 Uhr. Eigentlich fahre ich gerne in  der Dunkelheit, doch in diesem Jahr wurde die Fahrt durch den deutlich sichtbaren Staub in der Luft – und auf dem Boden – deutlich erschwert. Irgendwie sah alles gleich aus: staubig-grau. Das machte es auch schwierig, trotz ordentlicher Beleuchtung, die Details auf der Strecke zu erkennen. So manche Bodenwelle oder Wurzel merkte ich des Öfteren erst, wenn’s zu spät war. Auch die einer oder andere verlorene Trinkflasche nahm eine optische Symbiose mit der Strecke ein. Richtig wach wurde ich wieder, als anderer Fahrer nach einem Überholvorgang zu früh einscherte und mich fast abräumte. Er rief mir noch ein schnelles „Sorry!“ zu und verschwand in der Dunkelheit.

Als ich ins Teamlager zurück kam, folgte der gemütliche Teil des Rennens. Erst einmal frische Klamotten an, Getränke und Süßigkeiten gebunkert und ab in den Schlafsack. Im Fahrerlager wurde es langsam ruhiger. Wir hockten in der Runde und hatten unseren Spaß. Gute Gespräche bei Frikadelle, Balisto und Iso-Drink – was will man(n) mehr!

Ich schlief nicht, ich döste nur. Gegen halb 5 Uhr schälte ich mich aus meinem Schlafsack, zog mir Arm- und Beinlinge gegen die Kälte der Müdigkeit an und rollte locker zur Wechselzone. An dieser Stelle gebe ich zu: Die Rundenzeiten sind mir zu der Uhrzeit sch…egal. Ich versuchte mich, trotz der Müdigkeit, auf die Strecke zu konzentrieren. Die monotonen Geräusche der Fahrt und der vorbeifliegende Staub im Lichtkegel machten Kopf und Auge müde. Normalerweise hänge ich mich dann an einem Fahrer, der mich über die Runde zieht. Aber ich fand keinen, der eine passende Pace bot. Entweder waren alle viel schneller oder viel langsamer als ich unterwegs. Dafür kroch die Dämmerung langsam über das Stahlwerk heran, was die zweite Runde dann zu einer angenehmen Sache machte. Wieder einer diesen besonderen Momente, die dieses Rennen zu bieten hat.

Nach meiner Rückkehr in den Schlafsack schlief ich tatsächlich für 2-3 Stündchen tief und fest ein. Mein erster Gedanke nach dem Aufwachen war: Kaffee! Ein hoch auf die moderne Technik. Kapsel rein und mein geliebtes Getränk lief in den Plastikbecher. Notiz an mich selbst: Für’s nächste Rennen an die Campingtasse denken.

Mittlerweile war klar, dass ich nur noch einmal auf’s Rad musste. Jetzt wollte ich’s aber wissen und die 20 vorne sollte fallen. Ich fühlte mich relativ fit und hatte vor, die letzten Reserven aus den Beinen zu quetschen. Wechsel und ab ging’s mit Vollgas. Schon beim ersten Anstieg erinnerte mich meine Beine daran, dass sie schon acht Runden hinter sich haben. Aber ich ignorierte den Schmerz einfach. Mein Gefühl sagte mir, dass ich echt gut unterwegs war. Auf den Geraden suchte ich Windschatten um Windschatten – bis zum Stahlwerk. Dort lief ich auf einen 2er-Fahrer auf, der – im Gegensatz zu mir – wohl kein Interesse mehr an schnellen Rundenzeiten hatte. Eher gemütlich rollte er locker-flockig auf die Treppe zu. Ich dahinter fluchte innerlich wie ein Rohrspatz. Für eine Sekunde überlegte ich ein Überholmanöver auf dem kleinen Balkonstück. Doch hier galt Überholverbot und ich wollte unsere ordentliche Team-Platzierung nicht gefährden. Also blieb ich bis zum Ausgang der Treppe brav dahinter. Verlust bestimmt zehn Sekunden. Noch in der Kurve schoss ich an den Fahrer vorbei und gab Vollgas in Richtung Tunnel. Eingangs Tunnel dann hier – Hey! – eine Solofahrerin. Wieder bremsen, wieder herunterschalten. Verlust nochmals ein paar Sekunden. Versteht mich bitte nicht falsch: Ich habe größten Respekt vor den Einzel- und 2er-Fahrer des Rennens. Und die Fahrer können auch nichts dafür, dass ich ausgerechnet an den beiden Stellen auf sie auflaufe, an denen Überholverbot ist. That’s Racing und gehört einfach dazu. Punkt!

Nach dem Tunnel gab ich also wieder Vollgas, alles was die Beine hergaben. Zwischen der Straßenüberquerung und der folgenden Spitzkehre liefen eine Handvoll schnelle Fahrer nun auf mich auf. Ich hörte nur noch die Schreie „LINKS!“ – „RECHTS!“ – „MITTE!“ Die Meute der 15-Minuten-Fraktion fiel vor der Kurve über mich her. Für mich blieb nur die Flucht zum Kurvenausgang. Mein Vorderreifen suchte vergeblich Haftung in dem Staub und ich verlor das Bike. Da ich keine Zwischenzeiten kannte, gab ich trotzdem weiterhin alles, was noch drin war. Aber die letzten Kilometer zogen viel Kraft aus Körper und Kopf. Als ich mit der folgenden Runde nochmals angreifen wollte, schossen mir Krämpfe in die Oberschenkel. So genoss ich einfach die letzte Runde in einem eher moderatem Tempo. Die Rundenzeit meiner ersten Runde lag dann bei 20:13 – und die zweitschnellste des Rennen. Ohne die kleinen Vorfälle hätte die 20 vorne also endlich mal fallen können. Aber wie heißt’s so schön: Hätte, hätte, Fahrradkette!

Am Ende holten wir Platz 27 von 63, was uns sehr zufrieden stellte. Einer unser schnellsten Fahrer war auf einem 14-Kilo-schwerem Hardtail aus den 90er-Jahren unterwegs. Solche Sachen finde ich schon wieder cool. Vor allem landete dieser Fahrer nach zwei Stürzen auch noch bei ein und dem selben Sani – und fuhr danach trotzdem konstant seine Runden weiter. Einem anderen Fahrer riss die Kette oben auf dem Monte-Schlacko, so musste er nur locker in die Wechselzone rollen. Und unser Schlussfahrer fuhr bei seinen letzten beiden Runden mit 18:19 noch zwei identische Rundenzeiten.

Fazit:

…und nach dem Rennen.

Das Rennen war wieder mal – direkt gesagt – saugeil! Auch wenn uns Staub und Hitze ordentlich zugesetzt haben. Ich blieb zum Glück von Defekten und größeren Stürzen verschont. Auch wenn ich wieder einmal nicht die 20 knacken konnte, so war ich insgesamt schneller unterwegs. Und ich hatte meinen Spaß!

Apropos Spaß: Die ganze Schinderei wird nur Dank eines super Teams zu einem Vergnügen. Auch wenn ich hier von „meinem“ Rennen berichte, so gehören Timo, Jan, Stefan, Sven, Simon, Stefan und Wolfgang natürlich auch dazu. Erwähnen muss ich auch die vielen Familienmitglieder von uns Fahrern, die uns während des Rennens besucht und unterstützt haben. Ohne diesen Support und den Einsatz wäre die Teilnahme gar nicht möglich.

Leider gab’s auch wieder einmal die Kandidaten, die 24 Stunden lang mit den Messern zwischen den Zähnen gefahren sind. Da wurde knapp überholt und Lücken gesucht, wo keine waren. Aber auch diese Vögel gehören zu einem Rennen einfach nun mal dazu.

Abschließend möchte ich auch einmal die Menschen dankend erwähnen, die im Hintergrund gearbeitet haben. Die gewerblichen Fotografen, die uns nach dem Rennen trotz Hitze und Staub mit Bildern versorgen. Die Sanitäter, die sich auch mindestens 24 Stunden lang um große und kleine Verletzungen kümmern. Die Jungs & Mädels in der Verpflegungsstation, die für uns Fahrer auch 24 Stunden lang mit Getränken und Essen versorgten – und immer freundlich waren. Und die Jungs vom ROSE Bike-Service, die’s immer wieder schafften, unsere Bike schnell wieder fit zu machen. VIELEN DANK!

Ich hoffe dass ich 2019 wieder in der Wechselzone stehen werde. Und vielleicht fällt dann die Zwanzig. Und wenn nicht, dann ist’s auch nicht schlimm.