Die 24h von Duisburg (3.-4.8.2019) feierten in diesem Jahr das 15-jährige Jubiläum. Der Veranstalter drehte zu diesem Anlass die Richtung um und präsentierte eine neue Strecke. Ich war zum fünften Mal mit am Start bei dem Klassiker im Landschaftspark Duisburg Nord. Hier mein Rennbericht.

Irgendwann nach dem Rennen im Vorjahr tauchte in den sozialen Netzwerken die Idee des Veranstalters auf, die Streckenführung zum Jubiläums-Rennen einfach mal umzudrehen. Eine Abstimmung bei Facebook sollte über Sinn und Unsinn entscheiden. Der Ergebnis fiel mit 51 zu 49 Prozent für eine Streckenänderung aus. Knapp.

Schon im Vorfeld wurde viel über diese Idee diskutiert. Ob man denn nun die Treppe bergauf fahren müsse? Und was wird aus der Spitzkehre nach bzw. vor dem Monte Schlacko. Frage über Fragen beschäftigen die User in den sozialen Medien. Als die ersten Daten der neuen Strecke bekannt wurden, tauchten noch mehr Unklarheiten auf. Klar war, dass die Treppe raus ist. Auch meine geliebte S-Kurve mit den kleinen Anliegern war nicht mehr dabei. Um das nun abzukürzen: Die neue Strecke war Thema vieler Diskussionen bis kurz vor dem Rennen.

Ja, das Rennen. Meine Vorbereitungen auf das Rennen waren in diesem Jahr eher durchwachsen, denn viel zum trainieren kam ich nicht – zumindest nicht regelmäßig. Außerdem erwischte mich zwei Wochen vorher noch eine Erkältung, was ja schon fast Tradition ist. Die letzten Trainingseinheiten absolvierte ich hauptsächlich mit dem Hardtail mit dem kleinen Antreiber im Kindersitz. 12 Kilo Bike plus Kindersitz plus 16 Kilo Kind gehen schon ordentlich in die Beine.

Samstag – der Tag des Rennens. Graue Wolken am Himmel. Wenigstens kein Regen. Der kleine Anverwandte sorgte dafür, dass meine Nacht um halb 7 zu Ende war. Also aufstehen und raus mit dem Hund. Um 7 dann zum Bäcker um Brötchen für das Familienfrühstück zu holen. Auf dem Rückweg das Auto packen. Frühstücken. Los.

Unser Team hatte seinen Stammplatz schon am Vortag bezogen. Was mir direkt auffiel war, wieviel Platz in unserem Sektor noch war. Überall freie Flächen. Wir hätten noch drei Pavillons aufbauen können. Der guten Ordnung halber brachte ich mein Auto nach dem Ausladen auf den Parkplatz. Warum weiß ich selber nicht mehr. Ich hätte es frecherweise einfach drauf ankommen lassen sollen. Platz war – wie gesagt – mehr als genug.

Wir starteten dann zu einer Trainingsrunde. Normalerweise schenke ich mir die, aber ich wollte mir die neue Strecke in Ruhe anschauen (mein Fazit zu der neuen Streckenführung ziehe ich später). Der Regen am Vorabend sorgte zwar für die eine oder andere matschige Stelle, dafür gab’s aber kein Staub. Gott sei Dank, kein Staub!

Ich startete wieder als Dritter im Team und ging gegen 13:45 Uhr auf meine ersten zwei Runden. In Runde zwei hörte ich im Streckenabschnitt „neue Abfahrt nach Monte Schlacko“ hinter mir plötzlich ein Scheppern und einen Schrei. Ein Starter war gestürzt und lag blutend am Rand. Ich stoppte sofort  um Erste Hilfe zu leisten (ich hab da so ein Helfer-Syndrom). Mit mir hielten noch zwei andere Biker an. Einen schickte ich den Berg rauf, damit er die ankommenden Fahrer warnt. Zusammen mit einem anderen Biker leisteten wir die Erstversorgung. Witziges Detail am Rande: Der andere Biker hieß auch Björn und war auch Rettungssanitäter. Unserem Patienten ging’s – abgesehen von einem halb abgerissenem Fingernagel, ein paar Schürfwunden und schmerzenden Rippen – soweit gut. Der Helm hatte schlimmeres verhindert. Wir übergaben ihm dann einem Bekannten und nahmen wieder unser Rennen auf.

Was mich an dieser Stelle so – um’s mal direkt zu sagen – echt ankotzte: Obwohl vor der Gefahrenstelle am Ausgang der Abfahrt gewarnt wurde, knallte die meisten Fahrer an uns vorbei. Eine Starterin beschimpfte uns sogar. Sagt mal, geht’s noch?

Gegen 18:45 Uhr startete ich zu Runde 3 und 4. Da ich die Strecke nun kannte, wollte ich auf schnelle Zeiten gehen. Abfahrt Monte Schlacko: Ich wechselte gerade auf linke Seite, damit ich die schnelle Links am Ende schön eng anfahren konnte. Normalerweise Ideallinie. Die gleiche Idee hatte jedoch auch eine andere Fahrerin knapp hinter mir. Die „reizende“ Dame schrie mir dezent ins Ohr schrie, dass ich bitte schön rechts bleiben sollte – und mich genau dorthin abdrängte. Genauer gesagt genau dorthin, wo die Strecke durch Felsen und Wurzeln nicht ganz so fluffig war. Zum Glück konnte ich einen Sturz vermeiden, hatte aber eine Menge Wut im Bauch.

Dies war leider nicht die einzige Erfahrung dieser Art im Rennen. Insgesamt fand ich die Schere zwischen freundlichen Biker und denen, die rücksichtslos mit dem Messer zwischen den Zähnen fahren, weiter auseinander als früher. Kaum Rufen an Engstellen, böse Worte, schneiden beim Einscheren und Lücken suchen, wo keine sind. Besonders toll fand ich es auch, wenn man mir erst im Nacken hing, dann aber in den Kurven nicht vorbei kam (obwohl ich die schon weit aufgemacht habe).

Mittlerweile war die Dunkelheit über Duisburg herein gebrochen. Ich wartete auf meine ersten Nachtrunden, als ein Teamfahrer mit Verletzungen ins Zelt kam. Er war auf dem Weg von der Wechselzone zurück gestürzt. Zwei Runden durch die Nacht und dann durch einen dummen Zufall zu Fall gebracht. Passiert auch öfters, als man denkt. Auch hier hat der Helm zum Glück schlimmeres verhindert. Ich holte mir bei den Sanis was ich brauchte und versorgte meinen Kollegen. Kurz danach startete ich dann um 23:45 Uhr in die Dunkelheit. Monte Schlacko runter im Dunkeln? Spaß pur! Überhaupt haben mir die Runden richtig Freude bereitet. Auch wenn die Rundenzeit das leider nicht wiedergegeben haben. 

Nach meine Rückkehr zum Team hörte ich, dass unser gestürzter Teamkamerad ausfällt und wir auf 3-Runden-Stints umstellen. Natürlich nur für die, die wollten. Das führte allerdings dazu, dass ich deutlich später zu meinem nächsten Stint startete. Also keine weitere Runden im Dunkeln. Als ich dann gegen 6:30 Uhr zu meinen drei Runden auf die Strecke ging, ging gerade die Sonne auf. An sich die Zeit, zu der ich am liebsten auf dem Rad unterwegs bin. Aber mir war schnell klar, dass dies meine letzten Runden in diesem Rennen werden sollten. Ich nahm etwas Speed raus, um noch genug Kraft für einen dritten Anstieg zum Monte Schlacko zu besitzen.

Nach den drei Runden war ich traurig, aber auch erleichtert. Wieder ein Rennen geschafft. Wieder ohne einen technischen Ausfall oder schlimmen Sturz. Wieder kamen Fahrer und Bike heil an. Gemäß der Reihenfolge hätte ich noch auf die Schlussrunde gehen können. Aber die Ehre hatte ich 2015 schon einmal und trat dies somit an einen Teamkollegen ab.

Nun mein Fazit zur neuen Strecke:
Ich war zuerst skeptisch, aber die neue Strecke hat richtig Spaß gemacht. Besonders die Abfahrten nach dem Monte Schlacko haben mir sehr gefallen und die Streckenführung kam mir insgesamt flüssiger vor. Mir kamen nach dem letzten freien Training am 20. Juli zwar Sorgen an dem steilen Anstieg, aber diesen waren unbegründet. Hier bot der Veranstalter die Treppe als Chicken-Way an. Die Rampe – welche nach dem Training aus der Strecke genommen wurde – hat mich auch überrascht. Die Abfahrt war steiler, als sie im ersten Moment aussah. Hier entschied der Veranstalter schnell und richtig.

Mit dem „Kaltstart“ zum Monte Schlacko hoch hatte ich keine Probleme. Das lag aber vielleicht auch daran, dass ich dies durch meine Runden auf der Halde Hoheward gewohnt bin. Hier geht’s nämlich auch direkt bergauf. 

Was mir definitiv fehlte war – wie schon erwähnt – der Weg über den Bunker zur Treppe. Das war einfach meine Lieblingsstelle. Zudem fand ich die Auffahrt zum AC / DC-Berg absolut öde. Irgendwie fehlte etwas, wenn man von der anderen Seite auf die Musik zufuhr. Die Abfahrt vom selbigen empfand ich unglücklich. Denn in der Anbremse-Zone zur Spitzkehre bildeten sich Schlaglöcher, was entweder das Bremsen oder das Treffen der Linie erschwerte. Nach der Spitzkehre konnte man zwar wieder fliegen lassen, aber die folgende Rechts auf die Gerade war durch die Absicherung recht eng.

Vielleicht findet der Veranstalter für das nächste Jahr einen Kompromiss aus alter und neuer Strecke. Aber nicht mit mir. Für mich war’s das letzte Rennen. Die Gründe sind vielfältig. Hauptsächlich möchte ich mal wieder mit dem kleinen Anverwandten einen Kirmesumzug besuchen. Da das Rennen (fast) immer auf das erste Wochenende der Cranger Kirmes fällt, obliegt der Besuch der Festumzuges mit dem Nachwuchs meiner Herzdame. Und da blutet mir schon etwas das Herz. Außerdem empfinde ich das aggressive Verhalten mancher Mitstreiter auf der Strecke als grenzwertig. Ich habe keine große Lust, durch so einen Vollpfosten einen Sturz zu kassieren. Vielleicht sehe ich das als Familienvater auch mittlerweile anders.

Die 20 Minuten konnte ich auch dieses Jahr nicht knacken. Mittlerweile weiß ich aber, dass weder meine Leistung, noch meine Fahrtechnik die Ursache sind. Ich fahre einfach deutlich zu defensiv und halte mich gerne raus bzw. mal zurück.

Abschließend möchte ich mich noch bei den Menschen bedanken, ohne die meine Teilnahme in den letzten Jahren nicht möglich war. Meiner Herzdame, die viel Verständnis für das Rennen und die Vorbereitungen hatte – auch wenn ich das eine oder andere Augenrollen hören konnte. Vielen Dank auch an die lieben Menschen rund um Bike or Die für die Vor- und Nachbereitung der Rennen und die Organisation. Und alle diejenigen, die mit mehr Berufung als Beruf bei dem Rennen mithelfen.

Noch ein letzte Wort zur Stimmung:
Irgendwie fehlte bei dem Rennen etwas. So richtig wollte der Funke in diesem Jahr nicht überspringen. Auch wenn’s – abgesehen von der Strecke – wie immer war. Mir kam’s nicht nur in unserem Sektor leerer vor, sondern ab der Nacht auch in der Wechselzone. „Das Rennen hat seinen Zenit überschritten“, so eine Aussage eines Mitfahrers. Ich hoffe nicht. Ich hoffe, dass dies als besondere Veranstaltung die Möglichkeiten des Mountainbiken im Ruhrgebiet weiterhin wiedergibt. Vielleicht würde ein Ortswechsel helfen. Möglichkeiten bieten sich im Pott ja mehr als genug. Und für ein 24h-Rennen rund um einer Halde würde ich über einen erneuten Start auf jeden Fall nachdenken.

Glück auf!

Euer Björn