Am Samstag (20.8.2016) nahm ich an einem Kursus Fahrtechnik-Training für Fortgeschrittene bei Simply Out Mountainbike teil. Nach dem Einsteiger-Training war’s mein zweiter – und definitiv nicht mein letzter – Tag mit der Agentur aus Essen. Doch bringt so ein Training wirklich etwas? Oder ist das nur Chi Chi? Hier mein Review.

Der Tag nach dem Training. Irgendwie tut mir immer noch etwas der Arsch weh. Und in meinen Armen und Schultern zwickt ein ganz leichter Muskelkater. Dabei saß ich eigentlich in den letzten Wochen viel auf dem Rad und fühlte mich, abgesehen von einer leichten Erkältung, recht fit. Wenn’s jetzt eine Tagesrunde mit zigtausend Höhenmeter gewesen wäre, würde ich das ja noch verstehen. Aber es war ja „nur“ ein Fahrtraining. Woher also der Schmerz?

Gut – ich könnte jetzt sagen: War ja auch für Fortgeschrittene. Aber die Ausrede will ich fast nicht gelten lassen. Anstrengend war’s schon und wir saßen viel auf dem Rad. Hat das Training etwas gebracht? Zumindest habe ich in der Nacht von Ellegoben, Aktiv- und Grundpositionen geträumt. Scheint also was angekommen zu sein. So ein Training brachte mir nicht nur mehr Sicherheit und Gefühl auf dem Rad. Mir wurde auch schnell wieder klar, wie komplex das Thema ist.

Ich fange mal vorne an. Mein erstes „Training“ hatte ich vor den 24h von Duisburg 2014. Der Guide brachte uns so Sachen bei, wie nur mit dem Hinterrad zu bremsen (die Vorderradbremse wird total überbewertet) oder wie toll doch Klickpedale sind, da man so nie den Kontakt zum Rad verliere. Kurven übten wir im Slalom – immer um die Hütchen rum. Mit dem Wissen fuhr ich rund zwei Jahre lang durch die Weltgeschichte. Dabei dachte ich immer, ich hätte mal was gelernt. Mit der Folge, dass ich immer über die Trails eierte. Dann lernte ich Melanie Hundacker bei den Presseterminen zu den neuen Trails auf der Halden Hoheward und Hoppenbruch kennen und wir quatschten viel. Ich erzählte ihr von meinen Problemen und sie riet mir, mal ein Kursus für Fahrtechnik zu belegen. Da ich ja schon ein paar Tage auf dem Mountainbike unterweg war, wollte mein Ego direkt an dem Training für Fortgeschrittene teilnehmen. Schließlich habe ich ja schon zweimal die 24h von Duisburg absolviert. „Nimm mal lieber erst an dem Einsteiger-Kursus teil“, riet mir Melanie.

Fahrtechnik-Coach Karsten Geisler – Foto: Björn Koch

Ein Vorteil an Simply Out ist, dass die Trainings auf „meinen“ Halden in Herten stattfinden. So nahm ich im März 2016 an einem Einsteiger-Training teil. Auf dem Programm standen Grundlagen des Bikes, der Fahrphysik und der richtigen Position. Guide Karsten brachte uns die Feinheiten der Grund- und Aktivposition nahe, wir erfuhren die Technik des Fahrens durch Kurven, wie man richtig bremst und an einem Berg anfährt. Das ganze mit Videoanalyse und vielen sinnvollen Tipps zum Mountainbike. Fazit nach diesem Tag: Ich war echt baff, was ich alles nicht wusste und auch sonst falsch machte. Plötzlich gingen die Kurven voll und die Trails machten nun richtig Laune. Kein Rumeiern mehr und kein Hoffen mehr, ob das auch wirklich gut geht. Hat’s sich gelohnt? Ja!

Wer „A“ sagt, muss bekanntlich auch „B“ sagen. Nachdem ich mich brav auf diversen Trails im Ruhrgebiet austobte, wollte ich nun endlich meine Technik verfeinern. Auf zum Fortgeschrittenen-Kursus! Mit insgesamt sechs Herren und einer Dame fanden wir uns am Samstagmorgen an der Zeche Ewald ein. Kleine Anekdote am Rande: Auf meiner letzten Runde auf dem XC-Trail auf Hoheward meldete mein Hinterreifen unerwarteten und unkontrollierten Luftverlust. Ein Mountainbiker hielt an und half mir. Half zwar alles nix – Ventil war hin und einen Ersatzschlauch hatte ich nicht mit – doch wir quatschten noch eine Runde nett. Und genau dieser Biker nahm ebenfalls am Training teil. Die Welt der Mountainbiker ist doch recht klein.

Zurück zum Training. Nach einem obligatorischem Bike-Check ging’s auf dem Trail an unseren ersten Übungspunkt mit himmlischen Blick über das Ruhrgebiet. Doch für die Aussicht hatten wir keine Zeit. Wiederholung der Grundlagen in Theorie und Praxis. Dann übten wir die Vollbremsung. Zugegeben – Bremsen war jetzt nicht gerade mein Spezialgebiet und das arme „Bremsschwein“ (so’n quitschendes Hundespielzeug als fliegendes Hindernis) hatte bei mir arg zu leiden. Aber irgendwas ist ja immer. Unser Guide – wieder Karsten – ging individuell auf die einzelnen Probleme ein, gab Hinweise, Tipps und Tricks. Der Vorteil an einer kleinen Gruppe. Bei der Videoanalyse machte ich gar nicht so eine schlechte Figur. Also doch was gelernt. Viel mehr Spaß machte dann die Übung: Anheben des Vorder- und Hinterrades. Vorderrad klang ja noch einfach. Kennste, ne? Einfach am Lenker reißen und hoch. Nicht? Geht auch anders? OK… Ging tatsächlich anders und ging auch recht gut. Und jetzt das Hinterrad? Für mich immer ein Dorf in Böhmen. (An dieser Stelle muss ich auch zugeben, dass ich die Übung Bunny Hopp nie beherrschte.) Doch auch das Heben des hinteren Rades klappte gleich direkt von Anfang an. Für mich echt ein kleines Erfolgserlebnis.

Nach einer Pause – mit Ausblick – ging’s über den Trail an eine andere Stelle der Halde. Hier stand Kurventechnik auf dem Programm. Im Gegensatz zum Einsteiger-Kursus war da tatsächlich eine Kurve (und keine aus Hütchen und Seilen gebaute) und die ging auch noch bergab. Wieder Wiederholung. Linie: Außen – innen – außen; Blick: Außen – innen- innen. Gut, da war was. Wie mache ich das denn im Trail nochmal? Jetzt in der richtigen Position auf dem Rad. Jetzt mit dem Neigen des Bikes. Und jetzt alles auf einmal in normaler Geschwindigkeit. Anbremsen, gucken, lenken, fahren –  läuft! Da’s aber bergab ging, mussten wir logischerweise auch wieder bergauf. Und so fuhren wir Runde, für Runde, für Runde.

Im Trail ist man als Mountainbiker ja des Öfteren mit so Sachen wie Geländerübergänge und Gefälle konfrontiert. Die Bewältigung dieser Hürden standen auch auf dem Stundenplan und fanden zum Teil auf den Enduro-Trails der Halde Hoppenbruch statt. Kurz und knackig arbeiteten wir diese Aufgaben ab, denn das bisher Erlernte und Erfahrene halfen dabei. Am Ende ging’s dann – sozusagen als krönender Abschluss – über den restlichen Trail bergab auf den Hauptweg.

Mein Fazit nach dem Fortgeschrittenen-Training: Wir saßen im Gegensatz zum ersten Kursus deutlich mehr auf dem Rad und bewegten uns zwischen den Stationen fast ausschließlich auf den Trails fort (ja, alternative Strecken über den Hauptweg gab’s). Die Inhalte bauten auf dem Einsteiger-Kursus auf und wurden schneller und dynamischer umgesetzt. Außerdem kamen neue Inhalte dazu. Und genau das nehme ich auch für mich mit. Die Grundlagen mehr gefestigt, mehr vertieft und sinnvolle Sachen dazu gelernt – und auch neu gelernt. Als nächstes steht das Trail-Training für mich definitiv fest, auch wenn’s bis kommendes Jahr warten muss.

Ich bin jetzt nun mal auf meinem Weg bei Simply Out Mountainbike gelandet. Neben der heimatlichen Nähe der beiden Trainings finde ich das Konzept – mit Fokus auf dem Verhalten und dem Miteinander in der Natur – gut. Denn darauf gehen die Trainer auch immer wieder ein. Nicht belehrend, sondern erklärend. Mountainbiker haben nun mal immer noch mit ihrem Ruf zu kämpfen, auch wenn ich in andere Zweiradnutzer eine erheblich größere Gefahr sehe. Die Trainings helfen mir dabei, den Sport und das Hobby noch mehr zu genießen. Ich freue mich jetzt schon auf die 24h von Duisburg im kommenden Jahr, wenn ich dann meine Erfahrungen umsetzen kann. Ansonsten kann ich jedem ambitioniertem Mountainbiker aus dem Bereich Cross Country und Trail so ein Training sehr empfehlen. Auch eine Wiederholung nach ein paar Jahren macht Sinn, denn die Industrie entwickelt ständig weiter. Und die geänderten Geometrie der Rahmen haben Auswirkungen auf das Fahrverhalten und damit auch die Fahrtechnik.