Das folgende Ereignis ist mittlerweile ein paar Wochen her: Ich befand mich gerade auf dem Rückweg von der Arbeit nach Hause. Die Sonne hat sich bereits – es war ja schließlich Dezember – hinter dem Horizont verkrochen. Somit war ich auch mit entsprechender Beleuchtung unterwegs: Eine Lampe am Helm und eine am Lenker.

Ich lenkte gerade auf die Erzbahntrasse ein, als mich ein andere Radfahrer zum Anhalten zwang – und zwar in dem er mir seine Hand ins Gesicht streckte und mir mit seinem Bike den Weg versperrte. Der Grund für sein Handeln war, dass er sich zu sehr von meiner Beleuchtung gestört fühlte.

Nach dem kurzen Austausch von „Freundlichkeiten“, begaben wir uns in eine Diskussion. Meine Leuchte auf dem Helm soll das Übel gewesen sein. Diese würde blenden und wäre ja überhaupt vollkommen übertrieben. Warum so etwas sein müsste, denn eine 08/15-4711-Funzel würde ja ausreichen. Kleine Anmerkung: Es gibt auf der Erzbahntrasse keine Laternen oder ähnliche Beleuchtung.

Fairerweise muss ich sagen, dass ich auf dem Helm eine Sigma Buster 2000 HL und an dem Lenker eine Sigma Power LED montiert hatte. Die können schon richtig Licht machen. Wie gesagt: „Können“. Denn ich halte mich brav an den Biker-Knigge. Das Flutlicht schalte ich nur an, wenn ich alleine in der Dunkelheit bin. Kommen mir Menschen und / oder Tiere entgegen, dann reduziere ich die Leistung (was dank Fernbedienung fix geht) und drehe den Kopf weg.

Die Diskussion auf der Trasse endete – erwartungsgemäß – ohne Ergebnis. Ich war dermaßen angepisst über die Nötigung, dass ich eh grundsätzlich dagegen war. Trotzdem grübelte ich auf dem weiteren Weg über die Situation nach… Und wäre fast mit einer Frau kollidiert. Was war passiert? Mir kam ein Jogger entgegen und ich regelte die Lampe runter. Als ich das Licht wieder heller machte, erkannte ich wenige Meter vor mir eine Frau mit schwarzem Mantel mit ihrem ebenfalls schwarzem Hund. Die beiden waren vorher einfach nicht zu sehen. 

Licht gibt Sicherheit. Is‘ so! Ich sehe und werde gesehen. Ja, aber wie das bei allem so ist, ist zu viel auch wieder nicht gut. Aber ich bewege mich nun mal außerhalb des öffentlichen Verkehrs. Wenn nicht gerade der Mond von Wanne-Eickel in voller Montur vom Himmel scheint, ist es im Pott nun auch mal dunkel wie im Bärenarsch.

Ich denke mal, dass hier gar nicht die Menge an Licht, sondern der Ort der Quelle das Problem ist. Denn mein Helm ist in der Regel nun mal höher als der Lenker und damit auch eher in Augenhöhe der anderen Menschen. Das kann ich ja sogar verstehen. Aber nur so habe ich die Möglichkeit, dort Licht zu bekommen, wohin mein Kopf sich auch dreht. Und so lange noch keiner das Kurvenlicht für Fahrräder erfunden hat, wird’s auch dabei bleiben.

Bei aller Selbstkritik, werfen wir mal einen Blick auf das, was mir sonst noch so im Dunkeln begegnet. Da sind zum einen die ganzen Jogger die – oh Wunder – auch ihr Lämpchen an der Stirn tragen. Das kann man nicht vergleichen? Von wegen! Der kleine Anverwandte hat von seiner Oma nämlich auch so eine LED-betriebene Stirnleuchte bekommen. Die habe ich mal mit meiner 2000er Sigma verglichen und muss sagen: Das leichte Plastikteil vom Amazonas ist ganz schön hell.

Apropos hell. Was so manches E-Bike serienmäßig an Flutlicht mit sich bringt, tut manchmal auch in den Augen weh. Vor allem dann, wenn die Lampen noch so schön hochfrequent blinken. Ein Träumchen…

Zum Glück werden die Tage wieder länger und ich kann schon wieder ohne Licht pendeln. Eigentlich schade, denn die Fahrt durch die Dunkelheit hat auch seine Reize. Vor allem, wenn der Weg mit wunderschönen Sonnenaufgang- und untergängen begleitet wird. Und das ist ja immer noch das schönste Licht.